Warum sollte ich meinen PC sicher halten?
Im Internet gibt es vieles zu entdecken. Viele neue Inhalte und Dienste erweitern täglich unser Wissen und unsere Möglichkeiten. Doch auch für Kriminelle ist das Internet ein beliebter Tummelplatz geworden. Dabei spielen unsicher konfigurierte PCs von Privathaushalten und kleinen Unternehmen eine wichtige und unrühmliche Rolle.
"Was interessiert die Mafia mein PC? Ich habe ohnehin nichts Wichtiges zu verbergen." Dieses Argument höre ich leider immer wieder. Doch jeder hat gewisse Dinge zu verbergen. Oft ist einem nicht bewusst, wie wertvoll gewisse Daten für Kriminelle sein können. Wenn Sie beispielsweise in Webshops einkaufen, werden dabei häufig sogenannte Cookies auf dem PC gespeichert. Mit Hilfe dieser Cookies identifiziert Sie der Webshop bei neuerlichem Einkauf als wiederkehrenden Kunden. Das ist bequem und praktisch, kann der Shop Ihnen doch dann Empfehlungen für Produkte geben, die Sie möglicherweise auch interessieren. Außerdem müssen Sie möglicherweise Kennwörter nicht immer neu eingeben. Auch Social Networking Sites wie Facebook, Xing oder Twitter bieten die Option an, Sie automatisch zu identifizieren. Auch dabei werden Cookies verwendet. Wenn diese Daten Kriminellen in die Hände fallen, können diese z. B. auf Ihre Rechnung einkaufen, Ihre Vorlieben herausfinden, über soziale Netzwerke versuchen, ihre Freunde und Bekannten ebenfalls zu schädigen oder Betrügereien mit Online-Auktionen in Ihrem Namen zu tätigen.
Doch nicht nur die Daten, sondern auch der PC selbst ist von unschätzbarem Wert. Kriminelle installieren auf ungeschützten PCs gerne unbemerkt Software, die ihnen die fast vollständige Kontrolle über den PC ermöglichen. Davon merken Sie als Anwender meist nichts. Tausende PCs, die sich so unter der Kontrolle einzelner Krimineller befinden, bilden ein sogenanntes Botnetz, das für koordinierte Angriffe gegen seriöse, kommerzielle Dienste im Internet genutzt werden kann. Kriminelle versuche so beispielsweise Wettanbieter oder große Online-Shops, ja sogar Suchmaschinen zu erpressen, was leider oft auch erfolgreich ist. Dass man davon so wenig in den Medien liest, liegt daran, dass die Opfer das aus Angst vor dem Image-Verlust meist nicht an die große Glocke hängen.
Auch für den PC-Anwender können solche Aktivitäten durchaus unangenehm werden. So kann die Internet-Verbindung unerwartet langsam werden. Auch das Datenvolumen kann plötzlich stark ansteigen, was sich auch in einer höheren Rechnung vom Internet-Provider auswirken kann.
"Aber mein PC funktioniert einwandfrei. Da ist sicher keine Schadsoftware drauf." Programmierer von Schadsoftware wollen natürlich möglichst lange ihr Unheil unbemerkt ausüben können. Deshalb ist unerwünschte Software auf dem PC meist kaum am Verhalten zu erkennen. Nur wenn sich mehrere Schädlinge eingenistet haben, kommt es hin und wieder zu unerwünschten Kompatibilitätsproblemen zwischen diesen Programmen, die sich in eigenartigen Verhaltensweisen des PCs bemerkbar machen. Da die Programmierer von Viren jedoch immer professioneller werden (schließlich ist das ein Milliardengeschäft), kommen aber selbst solche Probleme immer seltener vor. Deshalb ist es selbst für Experten kaum ohne genaue Analyse erkennbar, ob ein PC bereits Schadsoftware installiert hat.
Doch nicht nur die Software eines PCs kann eine Schwachstelle darstellen. Selbst erfahrene Anwender stolpern hin und wieder in Fallen, die Kriminelle im Internet aufgebaut haben. Vor einigen Monaten wurde mir zum Beispiel mein Facebook-Kennwort abeluchst. Zum Glück bin ich gleich stutzig geworden und konnte es noch rechtzeitig ändern.
Die Initiative Sicher im Internet, die u. a. von Microsoft, der Bank Austria, UPC, eBay, dem Sozial- und Innenministerium, der Wirtschaftskammer, den Kinderfreunden und Seniorenverbänden unterstützt wird, bietet zahlreiche Informationen für Eltern, Kinder, Schüler, Lehrer, Senioren, Unternehmer und andere Internetbenutzer gratis an.
Speziell für Eltern, Lehrer und Jugendliche gibt es auch die Seite Saferinternet.at, die u. a. vom Wissenschafts-, Sozial-, Unterrichts-, Infrastrukturministerium, vom Bundeskanzleramt, der Interessensvertretung der österreichischen Internetprovider, eBay und Microsoft unterstützt wird. Die besten Broschüren von dieser Webseite habe ich rechts oben verlinkt.
Die deutsche Website IRBI (Internet Risk Behaviour Index) testet, wie riskant Ihr Verhalten im Internet sein kann und gibt wertvolle Tipps, typische Fallen zu vermeiden. Ich empfehle jedem Anwender diesen kostenlosen Test mit integriertem Lernprogramm im Umfang von 15 - 30 Minuten zu durchlaufen.
Wie mache ich meinen PC sicher?
So wie Sie Ihr Auto (hoffentlich) in einem verkehrstüchtigen Zustand halten, sollten Sie das auch mit Ihrem PC machen. Mit drei einfach umzusetzenden Maßnahmen können Sie sich vor dem meisten Gefahren schützen:
- Aktivieren Sie die Firewall.
- Installieren Sie einen Virenscanner und halten Sie ihn aktuell.
- Installieren Sie immer alle Updates für das Betriebssystem und die installierten Anwendungen.
Zum Glück ist es absolut kein Hexerei, die Einstellungen schnell zu überprüfen:
Windows XP
Wenn Sie noch mit Windows XP arbeiiten, öffnen Sie die Systemsteuerung aus dem Start-Menü. Öffnen Sie dann das Sicherheitscenter. Auf einen Blick sehen Sie, ob Ihr PC die empfohlenen Einstellungen aufweist:

Wenn Sie hier nicht nur grüne Häkchen sehen, klicken Sie auf die angeboteten Optionen und mit Windows-Firewall und die automatischen Updates zu aktivieren.
Windows Vista
Windows Vista war bei der Sicherheit ein großer Schritt vorwärts, doch auch hier sollten die Einstellungen geprüft werden. Öffnen Sie die Systemsteuerung aus dem Windows-(Start-)Menü und klicen Sie auf Sicherheit und dann auf Sicherheitscenter. Auf einen Blick sehen Sie, ob Ihr PC die empfohlenen Einstellungen aufweist

Auch hier können Sie die empfohlenen Einstellungen auch gleich aktivieren.
Windows 7
Im neuesten Betriebssystem von Microsoft finden sich die wichtigsten Einstellungen im Wartungscenter, das das Sicherheitscenter ersetzt. Dieses erreichen Sie ebenfalls über die Systemsteuerung im Windows-(Start-)Menü in der Kategorie System und Sicherheit.

Und auch hier können die Einstellungen gleich geändert werden, wenn Sie nicht der empfohlenen Konfiguration entsprechen.
Welche Funktion haben die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen?
Firewall
Die Firewall verhindert, dass unerwünschte Anfragen aus dem Internet von Ihrem PC beantwortet werden. Automatisch agierende Programme (Bots) suchen das Internet ständig nach anfälligen PCs ab und versuchen über Lücken im Betriebssystem und Anwendungen in diese einzudringen und Schadsoftware zu installieren. Die Firewall block solche Bots wirksam ab, ohne das normale Arbeiten am PC zu stören. Ohne eingeschaltete Firewall sollte man sich im Internet nie bewegen. Ohne Firewall im Internet zu surfen ist wie ein Auto ohne Karosserie und Windschutzscheibe.
Virenscanner
Schadsoftware kann auch auf anderen Wegen auf den PC eingeschleppt werden: Downloads aus dem Internet, E-Mails oder Wechseldatenträge wie USB-Sticks oder CDs. Schnell ist eine Datei angeklickt und die Software installiert. Schwierig wird es, Ungeziefer wieder loszuwerden. Ein Virenscanner prüft jede Datei, bevor sie zur Ausführung kommt. Dabei wird die Datei nach typischen merkmalen bekannter und unbekannter Viren und anderer Schadsoftware untersucht.
Da praktisch täglich neue Viren auftauchen, ist es wichtig, den Virenscanner aktuell zu halten. Kommerzielle Virenscanner werden in Form von Abonnements vertrieben. Nur wenn das Abonnement bezahlt wird, das meist eine Laufzeit von einem oder zwei Jahren hat, kann der Virenscanner sich aktualisieren und den PC wirksam schützen. Schon wenn der Scanner eine Woche keine Updates bekommt, nimmt der Schutzeffekt dramatisch ab. Nach nur einem Monat ohne Aktualisierung können Sie den Scanner ebensogut deinstallieren, ein Schutz ist praktisch nicht mehr vorhanden. Wenn Sie mit Ihrem Scanner zufrieden sind, sollten Sie daher das Abonnement rechtzeitig vor Ablauf verlängern. Wenn Sie den Scanner wechseln wollen, tun Sie das vor Ablauf des laufenden Abos, um keine Lücke im Schutz entstehen zu lassen.
Gute Virenscanner kosten € 30 - 60 pro PC und Jahr. Das sind in jedem Fall weniger als 20 Cent pro Tag. Wenn Sie Geld sparen müssen, finden Sie sicher anderswo bessere Möglichkeiten dazu.
Für Virenscanner muss man aber nicht unbedingt Geld ausgeben. Microsoft bietet seit dem Herbst 2009 für Privatleute die kostenlosen Security Essenitals an. Kinderleicht installiert, bieten sie brauchbaren Schutz für den PC und kosten absolut nichts.
Automatische Updates
Software wird von Menschen produziert und ist mittlerweile so komplexe, dass sie kaum mehr zu überblicken ist. Deshalb schleichen sich immer wieder Fehler in Programme ein. Kein Programm ist fehlerfrei. Einige dieser Fehler öffnen gefährliche Sicherheitslücken, durch die Schadsoftware unbemerkt in den PC eindringen kann. Der Virenscanner kann davor schützen, doch eine 100 %ige-Sicherheit gibt auch er nicht. Deshalb sollte man seine Software immer aktuell halten und die angebotenen Updates für Betriebssystem aber auch für die installierte Software (z. B. Flash Player, Adobe Reader oder Java) so bald wie möglich installieren.